Biologiedidaktische Forschung im Kooperations- und Bildungsprojekt "Klimabildung For Future"


Kritisches Denken in der Klimakrise

Forschende: Linda Hämmerle, Marko Lüftenegger & Johanna Kranz

Forschungszeitraum: Seit März 2021

Erhebungsort: Lehr-Lern-Labor AECC Biologie

Projektbeschreibung: Naturwissenschaftliche Grundbildung und kritisches Denken im Hinblick auf das Bewerten von Informationen und das Treffen von Entscheidungen sind zentrale Bildungsziele im naturwissenschaftlichen Unterricht. Dies gewinnt insbesondere im Kontext des anthropogenen Klimawandels – der zentralen Herausforderung unserer Epoche – an Bedeutung, da noch immer Ursachen, Folgen und mögliche Anpassungsstrategien kontrovers diskutiert werden und darüber hinaus Fehlinformationen und Verschwörungstheorien den Diskurs begleiten.

Die bisherige naturwissenschaftsdidaktische Forschung untersucht schwerpunktmäßig die erfolgreiche Vermittlung von Fachwissen sowie affektive Einstellungen gegenüber der Klimakrise. Es hat sich jedoch gezeigt, dass selbst eine Zunahme des Fachwissens über die Klimakrise nicht zwangsläufig zu klimafreundlichen Verhaltensänderungen führt. Dieses Phänomen wird als ‘Knowledge-Behaviour-Gap‘ bezeichnet. Neuere Ansätze empfehlen für eine gelingende Klimabildung daher die Förderung von naturwissenschaftlicher Grundbildung und kritischem Denken, um Handlungsentscheidungen auf Basis von informierten Urteilsprozessen gewährleisten zu können. Kritisches Denken soll es Individuen ermöglichen, souverän mit wissenschaftlichen Erkenntnissen umzugehen und auf deren Basis Entscheidungen treffen zu können - hierfür bedarf es Aufgeschlossenheit und gleichzeitig Skepsis gegenüber neuen Informationen. Eben solche Lehr-Lernsettings, die die Vermittlung handlungsorientierter Strategien im Umgang mit der Klimakrise zum Ziel haben, können genutzt werden, um zu untersuchen, wie Individuen mit wissenschaftlichen Erkenntnissen umgehen und wie sie diese Informationen für ihren eigenen Lebensalltag nutzbar machen können.

Das Dissertationsprojekt ist in das Forschungs- und Bildungsprojekt Klimabildung For Future eingebettet und wird in Kooperation mit der Bildungspsychologie der Universität Wien durchgeführt. Der Fokus lieg auf der Diagnostik und Förderung von kritischem Denken. So sollen Lernende komplexe Probleme der Klimakrise nicht nur evidenzbasiert und werteorientiert beurteilen können, sondern auch zur demokratischen Teilhabe und zu klimafreundlichen Handeln befähigt werden.


Veröffentlichung: "Professionsverantwortung in der Klimakrise: Klimawandel unterrichten"

Titel: Professionsverantwortung in der Klimakrise: Klimawandel unterrichten. Befähigung Lehramtsstudierender zur Klimabildung als wichtiger Beitrag zum Erreichen der SDGs 

Autorinnen: Andrea Möller, Johanna Kranz, Agnes Pürstinger & Veronika Winter

In: In Kubsch, M. , Sorge, S.,  Graulich, N. & J. Arnold, Lehrkräftebildung neu gedacht. Waxmann (2021)


Fehlkonzepte zum Klimawandel in österreichischen Schulbüchern

Forschender: Philipp Kummer

Betreuung: Andrea Möller 

Forschungszeitraum: März bis September 2021

Projektbeschreibung: Die Masterarbeit befasst sich mit dem Thema Klimawandel in österreichischen Schulbüchern. Dabei wird mithilfe qualitativer Inhaltsanalyse das Vorkommen von Fehlkonzepten in Schulbüchern untersucht. Möglicherweise werden auch Schulbücher aus Deutschland und der Schweiz in die Analyse mit einbezogen.


Pflanzen im Klimawandel

Forschende: Natalie Lang

Betreuung: Michael Kiehn, David Bröderbauer

Forschungszeitraum: März 2021 bis voraussichtlich Juni 2022

Evaluierungszeitraum: voraussichtlich Sommersemester 2022

Erhebungsort: Botanischer Garten der Universität Wien

Projektbeschreibung: Die Schüler*innen lernen, wie sie die Auswirkungen des Klimawandels auf die Phänologie von Pflanzen beobachten sowie dokumentieren können. Nach einer theoretischen Einweisung im Rahmen der Klimawochen, einem Format für Schulen des Projekts makingAchange, können die Schüler*innen im botanischen Garten ihr Wissen praktisch umsetzen. In Gruppen untersuchen die Kinder und Jugendlichen ausgewählte Pflanzen und notieren in einem Arbeitsblatt ihre Beobachtungen zu phänologischen Erscheinungen. Zum Schluss werden die Ergebnisse sowie die Folgen des Klimawandels auf das Ökosystem im Plenum diskutiert. Die Schüler*innen sollen im Rahmen dieses Workshops ein Bewusstsein für die Umwelt und die verheerenden Auswirkungen des Klimawandels entwickeln sowie dazu angeregt werden, in Zukunft als Citizen Scientists die wissenschaftlichen Tätigkeiten der Forscher*innen zu unterstützen.

Lernziele für Schüler*innen:

Die Schüler*innen lernen, …

  • welche phänologischen Stadien einer Pflanze unterschieden werden.
  • wie sie phänologische Erscheinungen beobachten können.
  • wie sie Beobachtungen dokumentieren können.
  • wie Botaniker*innen / Klimatolog*innen anhand von Pflanzen den Klimawandel erforschen.
  • wie gemeinsam Daten für das PhenObs-Projekt gesammelt werden.
  • welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Phänologie von Pflanzen hat.

Einfluss eines Biodiversität-Workshops im Rahmen einer Klimawoche im botanischen Garten auf die themenspezifischen Präkonzepte von Schüler*innen zu Biodiversität

Forschende: Verena Aichberger

Betreuung: Michael Kiehn, David Bröderbauer

Forschungszeitraum: März 2021 bis voraussichtlich Juni 2022

Erhebungszeitraum: voraussichtlich Sommersemester 2022

Erhebungsort: Botanischer Garten der Universität Wien

Projektbeschreibung: Der Workshop zum Thema Biodiversität wurde als Exkursion im Rahmen der Klimawochen am Neusiedlersee, einem Format für Schulen des Projekts „makingAchange“, erstellt. Im Zuge des Workshops beschäftigen sich Lernende im botanischen Garten der Universität Wien mit Aspekten der Ökosystemdiversität, einem Teilbereich der Biodiversität. Es wird davon ausgegangen, dass Lernende vor der Teilnahme am Workshop mit dem Begriff Biodiversität primär Artenvielfalt verbinden. Es soll untersucht werden, ob und in welchem Ausmaß die Durchführung des Workshops zu einer Veränderung der Konzepte der Lernenden zur Biodiversität bewirkt.


Bildungsintervention “Professionsverantwortung in der Klimakrise: Klimawandel unterrichten”

Forschende: Agnes Pürstinger, Katharina Müller, Veronika Winter

Betreuung: Andrea Möller, Johanna Kranz

Erhebungszeitraum: Oktober 2018 bis Jänner 2019

Erhebungsort: Lehr-Lern-Labor AECC Biologie

Projektbeschreibung: Im Zuge dreier Masterarbeiten wurde eine 15-wöchige Bildungsintervention (IPP Professionsverantwortung in der Klimakrise: Klimawandel unterrichten, 2019W, SPL Biologie, Univ. Wien, 4 ECTS, 3SWS) im Prä-Post-Design konzipiert, woran 17 Biologie-Lehramtsstudierende und 80 Schüler*innen der Sekundarstufe II. teilnahmen. Die Studierenden absolvierten ein Projektpraktikum, in dem interdisziplinäres Fachwissen zur Klimakrise sowie fachdidaktisches Wissen und umweltpsychologisches Wissen zur Umsetzung im Unterricht vermittelt wurde. In der Praxisphase konzipierten die Studierenden Klimaworkshops, welche im Lehr-Lern-Labor mit vier Schulklasssen durchgeführt wurden. Im Zuge zweier Fragebogen-Studien wurde der Einfluss der Bildungsinvertention auf messbare Personenparameter (Fachwissen zur Klimakrise, Einstellung gegenüber der Klimakrise, emotionale Betroffenheit, Handlungsbereitschaft für Klimaschutz) untersucht. In einer Interviewstudie wurden Studierende zu ihren fachdidaktischen Zugängen zum Klimawandel-Unterricht befragt.