Die Forschungsinteressen am Österreichischen Kompetenzzentrum für Didaktik der Biologie (AECC Biologie) sind im Bereich der empirischen Lehr-Lernforschung angesiedelt. Wir untersuchen ausgewählte Aspekte des Lernens und Lehrens im Unterrichtsfach "Biologie und Umweltkunde".

Die Forschung erfolgt einerseits quantitativ, z. B. mit Hilfe von Kompetenz- und Leistungstests sowie Fragebögen zu affektiven Komponenten, wie z. B. Motivation und Interessen. Anderseits kommen auch qualitative Methoden, wie z. B. Interviews und offene Antwortformate, zum Einsatz. 

Ziel ist, aus den Ergebnissen unserer biologiedidaktischen Forschung wissenschaftlich begründete Handlungsempfehlungen für die Schulpraxis, Bildungspolitik sowie die Aus- und Fortbildung künftiger Biologielehrkräfte abzuleiten.

Aktuelle Forschungsschwerpunkte am AECC Biologie

Naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinn

Wir erforschen die naturwissenschaftsmethodischen Kompetenzen im Fach Biologie, insbesondere die Experimentierkompetenz von Schüler*innen. Unsere Forschung erfolgt im angegliederten MINT Lehr-Lern-Labor Biologie der Universität Wien oder im Rahmen schulischer Interventionen.

Ziel ist es, das Kompetenzmodell des wissenschaftlichen Denkens mit seinen Teilkompetenzen und Facetten mehrperspektivisch zu stützen. Da Experimentierkompetenz nicht nur im Biologieunterricht eine Rolle spielt, verfolgen wir einen interdisziplinären Ansatz und kooperieren mit Kolleg*innen aus der Physik-, Chemie- und Geographiedidaktik.  

Unsere aktuellen Forschungsprojekte zum Thema Naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung finden Sie hier.

 

 

Umweltbildung und Bildung für Nachhaltige Entwicklung

Nachhaltige Umweltbildung (BNE) nimmt in nationalen sowie internationalen Bildungsstandards und Curricula fächerübergreifende Relevanz ein und dient der Schaffung eines Ausgleichs zwischen gesellschaftlichen Zielvorstellungen und der Sicherung von natürlichen Grundlagen. Der Bildungsauftrag umfasst ökologische, wirtschaftliche sowie soziale Aspekte, um Menschen für Umwelt- und Entwicklungsfragen zu sensibilisieren und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

In Wien untersuchen wir u.a., welchen Einfluss Lernsettings mit erkundenden Naturerfahrungen und originalen Begegnungen auf affektive und kognitive Aspekte der Umweltkompetenz (z.B. Umweltwissen, Naturverbundenheit, Naturinteresse, Umweltbewusstsein, Umweltverhalten und Bereitschaft zum Schutz der Natur) bei Kindern, Jugendlichen und Lehramtsstudierenden hat. Dies erforschen wir insbesondere auch im Kontext der Bienenpädagogik am Forschungs- und Lehrbienenstand "Bee.Ed".

Unsere aktuellen Forschungsprojekte finden Sie hier.

Klimabildung

Klimabildung wurde von führenden Forscher*innen als sozioökonomisches Kippelement identifiziert, um gesellschaftliche Dynamiken zur Stabilisierung des Weltklimas anzustoßen. Lehrkräfte sind daher essentielle Multiplikator*innen für die Transformation unserer Gesellschaft.

Wir bilden Lehramtsstudierende und Lehrkräfte im Rahmen unseres Projektes "Klimabildung4Future" als Klimabildungs-Multiplikator*innen aus und kooperieren dazu mit verschiedenen Bildungsakteur*innen, um durch Aufklärung in der Klimakrise einen Beitrag zu einer lebenswerteren Welt zu leisten.

Gleichzeitig erforschen wir im Mixed-Method Ansatz mit quantitativen und qualitativen Forschungsinstrumenten, wie Klimabildung an schulischen wie außerschulischen Lernorten erfolgreich gelingen kann.

Unsere aktuellen Forschungsprojekte zum Thema Klimabildung finden Sie hier.

Plant Awareness Disparity (früher Plant Blindness)

Als Antwort auf die Frage, wieso Menschen oft wenig über Pflanzen wissen oder diese in ihrer Umgebung nur als Hintergrund registrieren, wurde 1999 (Wandersee & Schussler) das Konzept der plant blindness eingebracht. Der Fokus lag damals auf der fehlenden visuellen Wahrnehmung und dem Erkennen von Pflanzen. Ein derzeitiger Diskurs versucht das Phänomen aufgrund des Ableismus sowie der Anspielung an eine Behinderung in Plant awareness disparity (PAD) umzubenennen (Parsley 2020). Seither wurde stetig an der Theorie weiter geforscht und viele weitere Ursachen, Aspekte und auch Folgen wissenschaftlich untersucht. Die anfängliche Definition der PAD kann die inzwischen resultierende Komplexität des Phänomens nicht mehr beschreiben (Pedrera et al. 2021). Dies spiegelt sich auch in wissenschaftlichen Abhandlungen zum Thema wieder, in denen selten Unterscheidungen zwischen Ursachen, Folgen und sozioökologischen Einflüsse getroffen werden, sondern der Begriff inzwischen – fälschlicherweise - als selbsterklärend angenommen wird.

Mit dieser Problematik beschäftigen sich verschiedene Forschungen, die gerade am AECC durchgeführt werden.