Aktuelle Forschungsprojekte


Messung des Interesses Jugendlicher an der Natur: eine Voraussetzung für einen wirksamen Naturschutz

Studien deuten darauf hin, dass Lernende nur dann zu nachhaltigem und umweltbewussten Handeln bereit sind, wenn sie sich für die Natur interessieren und sie als schützenswert erkennen. Bisher gibt es jedoch kein einheitlich eingesetztes Instrument, um das Interesse von Jugendlichen an der Natur zu messen. In diesem Projekt wird deshalb ein neues Messinstrument entwickelt, die Skala des Interesses an der Natur (SIN). Die SIN-Skala kann entweder in einem Forschungskontext oder von Pädagog*innen in formellen oder informellen Lernumgebungen verwendet werden, z.B. mit dem Schwerpunkt Umweltbildung oder Bildung für nachhaltige Entwicklung. Ein möglicher Anwendungsbereich sind etwa Interventionen, die das Interesse von Jugendlichen an der Natur ansprechen sollen.

Projektbeteiligte: Anna-Lena Neurohr, Andrea Möller

Kooperationspartner*innen: Nadine Pasch - Universität Trier (DE); Siegmar Otto - Otto-von-Guericke Universität (DE)

Modellierung von Entwicklungsverläufen einer Umweltkompetenz

Die Umwelthandlungskompetenz stellt das Hauptkonstrukt des Umweltkompetenzmodells dar und dient als intellektuelle Vorbedingung von Umwelthandeln. Je stärker diese Eigenschaft ausgeprägt ist, desto mehr wird die Realisierung der persönlichen Umweltziele verfolgt. Die Verbindung zwischen Naturverbundenheit und Umweltverhalten wird vor allem durch positive Emotionen geprägt, die durch direkte Naturerlebnisse hervorgerufen werden. Welche Auswirkungen eine ausgebildete emotionale Verbundenheit und ein dadurch entwickeltes Interesse auf das Handeln von Kindern und Jugendlichen hat, zeigt das Modell zur Erklärung naturschützender bzw. naturgefährdender Bereitschaften und Entscheidungen von Kals et al. (1998). Demnach ist das Interesse an der Natur ein besonders starker Prädiktor für umweltschützende Bereitschaften.

In Rahmen einer large-scale Querschnittstudie (Jg. 5-9) werden die verschiedenen Facetten einer Umweltkompetenz näher untersucht, um in einem weiteren Schritt das Modell zur Erklärung naturschützender bzw. naturgefährdender Bereitschaften nach Kals, Schumacher und Montada (1998), in Anlehnung an das Modell der Umweltkompetenz nach Kaiser, Roczen und Bogner (2013) weiterzuentwickeln und empirisch abzusichern.

Projektbeteiligte: Anna-Lena Neurohr, Andrea Möller

Kooperationspartner: Florian Kaiser und Siegmar Otto - Univ. Magdeburg (DE)


Naturverbundenheit österreichischer Schüler*innen

Die Förderung von umweltfreundlichem Verhalten ist eines der Ziele einer Bildung für eine nachhaltige Entwicklung (BNE) weltweit. Es ist bekannt, dass Naturverbundenheit positiv mit umweltbewusstem Verhalten korreliert. Daher ist es wichtig, mehr über die Naturverbundenheit von Schüler*innen zu erfahren und Einblicke in Gründe und Konzepte zu gewinnen.

In diesem Projekt wird untersucht, wie naturverbunden Schüler*innen der 6. Jahrgangsstufe (n = 676) sind. Dazu wird erhoben, welche Gründe sie für ihre Naturverbundenheit nennen und auf welche Weise Gründe und Verbundenheit zusammenhängen.

Projektbeteiligte: Petra Bezeljak, Andrea Möller

Kooperationspartner*innen: Gregor Torkar - Universität Ljubljana (Slowenien)


Was bedeutet Natur für dich? Wahrnehmungen, Emotionen und Gefühle über die Natur bei österreichischen Schüler*innen

Natur ist für viele Menschen eine Quelle des Wohlbefindens. Studien zeigen, dass Naturerfahrungen positive Auswirkungen auf die körperliche, emotionale, intellektuelle und sogar moralische Entwicklung des Menschen haben. 

Ziel dieser Studie ist es, die Wahrnehmung der Natur durch die Schüler*innen sowie ihre Gefühle und Emotionen gegenüber der Natur in städtischen Gebieten zu untersuchen. Hierfür wurden Schüler*innen aufgefordert, in ihrer Freizeit Fotos zu der Frage „Was ist Natur für dich?“ anzufertigen und diese zu beschreiben. Diese Beschreibungen werden in Kombination mit den jeweiligen Fotos qualitativ analysiert. Eine bessere Kenntnis des Naturverständnisses von Schüler*innen kann die Grundlage für speziell zugeschnittene Unterrichtskonzepte und Umweltprogramme bilden.

Projektbeteiligte: Petra Bezeljak, Andrea Möller

Kooperationspartner*innen: Bruce Johnson, Corey J. Knox - University of Arizona (USA)


Auswirkungen von langfristigen Naturerfahrungen auf die Umwelteinstellungen, das Naturinteresse, die Naturverbundenheit und das Umweltwissen von Schüler*innen

Studien haben gezeigt, dass direkte Naturerfahrungen einen positiven Einfluss auf das umweltfreundliche Verhalten von Kindern und Jugendlichen haben. Die meisten Studien, die im schulischen Kontext durchgeführt wurden, beschreiben jedoch nur die Auswirkungen kurzfristiger Interventionen.

In dieser Studie werden mögliche Auswirkungen einer dreijährigen Längsschnitt-Intervention mit direkter Naturerfahrung auf Schüler*innen der Mittelschule (ab Jg. 6) untersucht. Konkret wird analysiert, 1) wie sich Umwelteinstellungen, Naturinteresse, Naturverbundenheit und Umweltwissen entwickeln, 2) ob es Zusammenhänge zwischen Umweltwissen, Naturinteressen, Naturverbundenheit und Umwelteinstellungen gibt, und falls ja, wie sie sich gegenseitig beeinflussen. Es ist die erste Längsschnitt-Studie im Bereich BNE, die in Österreich an Mittelschulen durchgeführt wird.

Das Projekt wurde in Koopertion mit dem Umweltdachverband Österreich durchgeführt und vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus gefördert (LE-Projekt in Maßnahme 16.5., 2b, Stärkung der Zusammenarbeit von Akteur*innen und Strukturen zur Erhaltung des natürlichen Erbes, Bereich Umweltschutz).

Projektbeteiligte: Petra Bezeljak, Andrea Möller

Kooperationspartner*innen: Doris Pleyer und Anna Streissler -  Umweltdachverband Österreich; Alexander Bergmann - Universität Leipzig (DE)


Beeinflussung von affektiven Umwelteinstellungen und Umweltinteressen durch erkundende Naturerfahrung und originale Begegnung am Lehrbienenstand

Im Rahmen eines mixed-method Ansatzes wird untersucht, inwiefern die originale Begegnung mit Honigbienen für Bildungsziele nachhaltiger Entwicklung (BNE) genutzt werden kann.

Konkret wird in diesem Projekt erforscht, wie sich kurzfristige sowie langfristige Interventionen mit Honigbienen (Apis mellifera) an schulichen oder außerschulischen Bienenständen auf zentrale Ausprägungen der Umweltkompetenz (Naturverbundenheit, Naturinteresse, Umweltbewusstsein, Naturidentität, Umweltverhalten und Bereitschaft zum Schutz der Natur) bei Schüler*innen unterschiedlicher Altersstufen und Schulformen auswirken. Zudem werden Hinweise auf mögliche Entwicklungsstufen und spezifische Prädiktoren von Umweltkompetenz, wie Alter, Schulnoten oder Geschlecht gewonnen.

Projektbeteiligte: Nadine Pasch, Andrea Möller

Kooperationspartner: Ralph Plugge - Landeszentrale für Umweltaufklärung Rheinland-Pfalz (DE)


BAF - Biodiversität am Friedhof

Die Wiener Friedhöfe sind teilweise mehrere hundert Jahre alt. Ihre Funktion als kulturelles Erbe und Orte der Ruhe machen sie zu einem geschützten Lebensraum für unterschiedlichste Lebewesen, sowie zu einem Zufluchtsort in einer wachsenden urbanen Umgebung. Tatsächlich wachsen städtische Bereiche mit dem Bedarf an Wohnfläche weiter und erzeugen oft einen Konflikt mit dem Streben nach Erhalt von Naturlandschaften. Parks und Friedhöfe stellen daher eine wichtige Schnittstelle zwischen urbaner Gestaltung und dem Erhalt von Biodiversität dar. Auch wenn sich Besucher*innen von Friedhöfen schon lange an Begegnungen mit seltenen Tieren erfreuen, ist eine Bestandsaufnahme der tatsächlichen Diversität bis heute nicht erfolgt.

Im Rahmen eines Citizen Science Ansatzes untersuchen wir in Zusammenarbeit mit den Wiener Friedhöfen, Schüler*innen und ihren Lehrkräften die Artenvielfalt auf Wiener Friedhöfen. Ziel ist es, in weiterer Folge die Artenvielfalt zu erhalten, eventuell sogar zu steigern und vor allem schützen zu können.

Projektbeteiligte: Thomas Filek, Doris Nagel