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Biodiversität, ihre Nutzung und ihr weltweiter Schutz

Kontaktperson: ao. Univ. Prof. Dr. Michael Kiehn: michael.kiehn@univie.ac.at

Direktor des Botanischen Gartens der Universität Wien. Mitglied der Biodiversitätskommission des Lebensministeriums  & österreichischer Vertreter im Pflanzenkomitee von CITES und in der CBD-Arbeitsgruppe der Global Strategy for Plant Conservation.

Geeignet für 11. & 12. Schulstufe


Weltweit ist ein dramatischer Verlust an biologischer Vielfalt festzustellen. So wird geschätzt, dass bereits 80 % der Waldfläche, die die Erde noch vor 8000 Jahren bedeckten,  abgeholzt oder geschädigt sind. Die Weltnaturschutzunion IUCN listet über 12.000 Arten auf, die vom Aussterben bedroht sind. Andere Autoren gehen sogar von rund 50.000 Tier- und Pflanzenarten aus, die jährlich aussterben, eine Rate, die 100 bis 1.000 Mal höher liegt als die Schätzungen des natürlichen Artenverlusts ohne den Einfluss des Menschen[»] . Um dem weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt entgegen zu wirken, sind Maßnahmen auf allen Ebenen nötig, insbesondere auch auf politischer Ebene. Internationalen Übereinkommen kommt dabei eine bedeutende Funktion zu.

Als Konsequenz dieser Erkenntnisse beschlossen im Jahr 2010 die 196 Vertragsstaaten der Biodiversitätskonvention (Abkürzung von Convention for Biological Diversity: CBD) die „Aichi Biodiversity Targets“. Unter anderem soll das Aussterben von bekannten und bedrohten Arten verhindert werden (Target 13).
Außerdem wurde der Zeitraum 2011 bis 2020 zur Dekade der Biodiversität ausgerufen. 2020 wird dann überprüft wie erfolgreich die Ziele der „Aichi Biodiversity Targets“ umgesetzt wurden.
Neben der CBD spielt auch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (
CITES) eine wichtige Rolle beim Schutz vom Menschen genutzter Pflanzen- und Tierarten. Für dieses Übereinkommen gibt es im Jahr 2016 eine wichtige Vertragsstaatenkonferenz, auf der es u.a. um die weitere Vorgehensweise in Bezug auf den Afrikanischen Elefanten geht (Informationen und ein Unterrichtsbeispiel dazu weiter unten).
Der vorliegende Beitrag ist als Einstieg in die Thematik „Biodiversität, ihre Nutzung und ihr weltweiter Schutz“ gedacht. Er bietet eine Einführung in die Organisation und Funktionsweise der beiden internationalen Vertragswerke CBD und CITES. Gleichzeitig sollen, am Beispiel des Afrikanischen Elefanten, Unterrichtsideen und Materialien zum Spannungsfeld „Arten- u. Naturschutz versus Nutzung“ für die Oberstufe geliefert werden.


Internationale Konventionen zur Erhaltung und Nutzung der Biodiversität

Die Biodiversitätskonvention (CBD), die 1992 auf dem Umweltgipfel von Rio de Janeiro beschlossen wurde und heute 196 Mitgliedsstaaten umfasst (Österreich ist seit 1995 Vertragspartei), hat drei gleichwertige zentrale Anliegen:

1.      Erhalt der biologischen Vielfalt (Biodiversität ist die Biologische Vielfalt auf 3 Ebenen: Vielfalt der Gene innerhalb einer Art, Vielfalt der Arten innerhalb von Lebensräumen, Vielfalt der Lebensräume)

2.      Die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt

3.      Ausgewogene und gerechte Verteilung der Chancen die sich aus der Nutzung der biologischen Vielfalt ergeben, insbesondere der genetischen Ressourcen.

Die Nutzung der biologischen Vielfalt ohne Gefährdung der genutzten Arten ist auch Zielsetzung des 1975 verabschiedeten Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES), das den internationalen Handel mit gefährdeten Arten frei lebender Tiere und Pflanzen und ihrer Produkte regelt (182 Unterzeichnerstaaten) und das in Österreich seit 1982 in Kraft ist. Im Unterschied zur CBD ist CITES eine Handelskonvention, deren Ziel die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Tier- und Pflanzenpopulationen der Welt ist. CITES setzt nur dort an, wo internationaler Handel eine Hauptgefahr für das Überleben von Tier- und Pflanzenarten darstellt. Diese sollen nur in dem Ausmaß gehandelt werden, bei dem die natürlichen Bestände nicht gefährdet sind. Als Handel im Sinne von CITES gilt jeder Grenzübertritt. Tier- und Pflanzenarten, die nicht durch den internationalen Handel, sondern durch andere Faktoren gefährdet sind, können durch CITES nicht geschützt werden. Ein nachhaltiger, geregelter Handel ist oft eine bessere Schutzmaßnahme als ein absolutes Handelsverbot. Außerdem ist ein solcher Handel oft eine überlebenswichtige Einnahmequelle für Bevölkerungen in Ländern der Dritten Welt. Je nach Gefährdungsgrad der Arten durch den Handel gibt es verschiedene Schutzstufen.

Beide Übereinkommen erkennen an, dass der Mensch zum Überleben auf die Nutzung der Biodiversität angewiesen ist. Allerdings muss diese Nutzung nach dem Nachhaltigkeitsprinzip erfolgen und, seit Inkrafttreten der CBD, einen fairen Vorteilsausgleich („benefit sharing“) berücksichtigen.

Insbesondere die CBD nimmt die Vertragsstaaten in die Verantwortung, in dem sie diese verpflichtet, biologische Vielfalt sowohl "in situ" (vor Ort in Schutzgebieten) als auch "ex situ" (in speziellen Einrichtungen wie Botanischen Gärten, Zoos, Gen- und Samenbanken) zu erhalten, sowie Forschung und Ausbildung, Überwachung (Monitoring) sowie Bewusstseinsbildung zu intensivieren.

Eine Übersicht über weitere relevante Konventionen finden sie auf Österreichs Naturschutzportal.

In diesem Jahr (2016) finden sowohl bei der CBD (04.-17. September 2016, in Cancun, Mexiko) als auch bei CITES (24. September -05. Oktober 2016, in Johannesburg, Südafrika) wichtige Vertragsstaatenkonferenzen (CoP: Conference of Parties) statt. In beiden Fällen dienen diese Konferenzen dazu, Bilanz über Erfolge und Misserfolge der bisherigen Bemühungen zum Erhalt der Biodiversität zu ziehen. Gleichzeitig werden auf den CoPs Beschlüsse für die zukünftigen Strategien gefasst. Bei der CoP der CBD steht unter anderem eine Zwischenbilanz der  „Aichi Biodiversity Targets“ auf der Tagesordnung. Bei der CoP von CITES wird eine punktuelle und genau definierte Lockerung des sehr strikten Vermarktungsverbotes für Elfenbein und anderer Produkte, die von Elefanten stammen, diskutiert werden.


Unterrichtsidee

Sollen Elefanten wieder gejagt und das Elfenbein verkauft werden?

Ein Thema für die Diskussion des Spannungsfeldes Artenschutz versus Nutzung für die Oberstufe

Ziele der Einheit:

  • Recherchen zu einem speziellen Thema des internationalen Naturschutzes
  • Kennen lernen von Biodiversität als Gegenstand des internationalen Rechts und der internationalen Diplomatie – nicht nur als fachliches Konzept
  • zu erfahren, dass wissenschaftliche Beiträge der Biologie in einem gesellschaftlichen Kontext auch als verhandelbare und zu bewertende Ergebnisse gesehen werden

Ausgangslage:

Das Thema ist in vielen Medien präsent. In diesem Jahr (2016) gibt es besonders intensive Diskussionen, da das Moratorium für den Elfenbeinhandel zeitlich begrenzt ist und bald ausläuft.

Bei der Beurteilung der Frage, ob ein Handel mit Elefantenprodukten der Arterhaltung zu- oder abträglich ist, gibt es eine Vielzahl von Aspekten zu berücksichtigen, z.B.:

  • Effekte von Wilderei und illegalem Handel
  • Kontrollmöglichkeiten über den illegalen Handel
  • Größe der Elefantenpopulationen in verschiedenen Schutzgebieten
  • Genetische Vielfalt der jeweiligen Populationen
  • Effektivität des Schutzes in den einzelnen Schutzgebieten und unterschiedlichen Staaten
  • Schaden an landwirtschaftlich genutzten Flächen durch Elefanten
  • Vorteile lokaler Bevölkerungen durch die Nutzung der Elefanten
  • Tourismus als Einnahmequelle für lokale Bevölkerungen
  • Jagd als Einnahmequelle für lokale Bevölkerungen
  • Emotionale Bedeutung von Elefanten als größte Landsäugetiere

Didaktische Überlegungen

Um eine realitätsnahe Diskussion von „Für und Wider der Nutzung des Afrikanischen Elefanten“ zu ermöglichen, kann die Klasse in verschiedene Interessensgruppen aufgeteilt werden, denen konkrete Arbeitsaufträge erteilt werden. Ziel sind kontroverse Diskussionen zwischen verschiedenen ausgearbeiteten Positionen. Für die Gruppen kann auf die in der Folge angeführten Arbeitsanweisungen zurückgegriffen werden. Zusätzlich können die SchülerInnen versuchen im Internet weitere Fakten und Positionen zu erheben, denn auf Grund der Aktualität des Themas gibt es ständig neue Medienberichte dazu.

Ziel der abschließenden Diskussion ist ein Austausch der verschiedenen Positionen. Das Ergebnis ist offen, der Auftrag lautet aber, dass sich die Interessensparteien auf eine Lösungsmöglichkeit einigen müssen. Nach der Konferenz (24. September -05. Oktober 2016, in Johannesburg, Südafrika) kann das Ergebnis der Vereinbarungen der SchülerInnen mit denen von CITES verglichen werden.

Mögliche SchülerInnen-Gruppen:

  • NGO: WWF International – Auftrag ist es, den Schutz der Elefanten zu stärken, aber auch den Interessensausgleich mit der indigenen Bevölkerung zu berücksichtigen (Quellen: WWF-Dokument, …)
  • Politische Vertreter der Europäischen Union: Diese Delegation soll die Positionen der EU auf der Konferenz vertreten. (Quelle: nationale Stellungnahmen)
  • Vertreter der ethnischen Gruppen Owambo und Ovi-himba: Ihr Auftrag ist es, auf die traditionelle und nachhaltige Nutzung des Elfenbeins hinzuweisen, damit das Verkaufverbot für Namibia für ihre Zwecke aufgehoben wird.
  • WissenschaftlerInnen: Sie betreiben MIKE & ETIS und sollen die Ergebnisse dieser Beobachtungen in die Diskussion einbringen, damit eine naturschutzfachlich fundierte Entscheidung getroffen werden kann.
  • NationalparkdirektorInnen: Eine Gruppe von afrikanischen NP-DirektorInnen will Jagd und eingeschränkten Verkauf, damit sie mehr Geld für die Aufgaben der Nationalparks lukrieren können.

Diskussion:

Jeweils ein Vertreter/ eine Vertreterin jeder Gruppe nimmt in einer Diskussionsrunde in der Mitte der Klasse Platz, der Rest der Klasse bildet einen Zuhörerkreis. In der Diskussionsrunde bleibt ein Sessel frei; auf diesem können SchülerInnen von außen für kurze Statements und Diskussionsbeiträge Platz nehmen und ihre GruppenkollegInnen unterstützen. Dieser Platz muss aber immer wieder auch freigegeben werden.

Zeitaufwand: 3-4 Unterrichtseinheiten

 

Möglichkeit des fächerübergreifenden Unterrichts: Geographie und Wirtschaftskunde (Länder des südlichen und zentralen Afrikas)

 

Weblinks:

www.cites.at (Österreichische CITES-Seite des BMLFUW)

http://ec.europa.eu/environment/cites/index_en.htm (CITES-Seite der EU)

www.cites.org (Offizielle Seite der Konvention)

https://cites.org/eng/prog/mike/index.php (MIKE-Programm)

https://cites.org/eng/prog/etis/index.php (ETIS-Programm)

http://www.iisd.ca/ (Nachrichtendienst für Konferenzen und Treffen im Bereich Nachhaltige Entwicklung, u.a. CITES Vertragsstaatenkonferenzen)

 

 

 

NEWS

Elefantenschutz wird nicht gelockert

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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